Gerd Bennewirtz: Ist der Videobeweis eine Verbesserung für den Bundesliga-Fußball?

Mit dem in der neuen Bundesliga-Saison eingeführten Videobeweis, der größere Klarheit bei Fehlentscheidungen und in strittigen Spielsituationen bringen sollte, bin ich überhaupt nicht zufrieden. Alles, was dem Fußball-Fan versprochen wurde – weniger Diskussionen, mehr Transparenz, nachvollziehbare Schiedsrichter-Entscheidungen – haben wir nicht erhalten. Das beste Beispiel dafür lieferte das Spiel Borussia Mönchengladbach gegen den FC Schalke 04 (1-1) vom Wochenende. Nach der absolut verdienten 1:0-Führung der Gladbacher durch das Tor von Christoph Kramer gab es gleich zwei strittige Szenen, die eigentlich das Gladbacher 2:0 hätten bringen müssen: Der später zurückgenommene Foulefmeter (Naldo an Stindl) sowie das vermeintliche Abseitstor der Mönchengladbacher nach einem Lattenschuss. Fangen wir mit der ersten Szene an: Nach einem Zweikampf zwischen Wendt und Caligiuri ging der Schalker zu Boden, doch Schiedsrichter Sascha Stegemann entschied auf Weiterspielen.

Seine Gestik machte klar, dass er kein Foul gesehen hatte. Aus der dann folgenden Spielsituation entstand der Elfmeter: Naldo holte Stindl im Strafraum von den Beinen. Eine klare Sache, doch dann kam der Videobeweis ins Spiel: Schiedsrichter Stegemann sah sich die Szene erneut auf dem Bildschirm an, was eine rund dreiminütige Spielunterbrechung bewirkte. Kein Fan im Stadion verstand, worum es eigentlich ging, wütende Pfiffe waren die Folge. Nach Rücksprache mit der Kölner Videozentrale gab es dann die absurde Entscheidung: Der Elfmeter wird zurückgenommen, da der vorangegangene Zweikampf zwischen Wendt und Caligiuri neu bewertet wurde. Diese Handhabung des Videobeweises widerspricht allen Beteuerungen des DFB, der Videobeweis werde nur eingesetzt, um „klare Fehlentscheidungen“ zu korrigieren. Wenn wegen einer neuen Beurteilung einer bereits zuvor vom Schiedsrichter bewerteten Szene (Foul oder kein Foul an der Seitenlinie) ein klarer Elfmeter zurückgenommen wird, sind die Maßstäbe völlig aus den Fugen geraten.

Das Gleiche gilt für die Abseitsentscheidung beim Tor von Stindl nach dem Lattentreffer: Stindl selbst stand da gar nicht im Abseits, sondern in der Spielszene zuvor (was der Assistent übersehen hatte). Gleich zwei Mal wurden unsere Gladbacher um das vielleicht spielentscheidende 2:0 gebracht, und beide Male ging es um eine nachträgliche Korrektur einer vorherigen, nicht direkt mit dem Tor zusammenhängenden Szene. So macht der Videobeweis keinen Spaß und bringt die Fans in den Stadien, aber auch vor den Bildschirmen zu recht in Rage. Meine Forderung: Den Videobeweis schnellstens wieder abschaffen und dazu zurückkehren, dass der Schiedsrichter mit seiner Tatsachenentscheidung die vollständige Hoheit über das Spiel besitzt!