Gerd Bennewirtz: Welches asiatische Land könnte zum Gewinner des Handelskriegs werden?

In einem Handelskrieg gibt es nur Verlierer – diese weit verbreitete Auffassung müssen Anleger womöglich bald revidieren. Denn Thu Nguyen, Managing Director bei der FondsGesellschaft Vina Capital, prognostiziert, dass Vietnam als Gewinner aus dem Handelsstreit zwischen den USA und China hervorgehen wird. Die Anlageexpertin betont, dass sich die ohnehin gute wirtschaftliche Ausgangslage Vietnams durch einen langwierigen Handelskrieg zwischen China und den USA weiter verbessern könnte: Mehrere multinationale Firmen hätten bereits Fabriken in dem Land eröffnet, womit sich die fortschreitende Verlagerung der Produktion von China nach Vietnam beschleunigen dürfte.

Thu Nguyen berichtet weiter, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Vietnams im ersten Halbjahr 2018 bereits um 7,1 Prozent gestiegen sei, während der Leistungsbilanzüberschuss mehr als fünf Prozent des BIPs erreichte. Abgerundet werden die guten vietnamesischen Wirtschaftsdaten durch eine aktuelle Inflationsrate von lediglich gut drei Prozent. Sollte sich der Handelskrieg fortsetzen, würde das dem Land weiteren Rückenwind geben, erwartet die Marktstrategin. Unternehmen wie Foxconn, Samsung und Daikin hätten bereits neue Produktionsstätten in Vietnam errichtet – auch, weil die chinesischen Fabriklöhne sich in den vergangenen Jahren verdoppelt hätten.

„Mit den Handelsspannungen zwischen den USA und China und zur Vermeidung von US-Zöllen haben die Unternehmen jetzt einen weiteren Grund, die Produktion nach Vietnam zu verlagern“, führt die Investmentexpertin von Vina Capital aus. Nguyen erwartet insbesondere eine Steigerung der vietnamesischen High-Tech-Exporte: Aufgrund des chinesisch-amerikanischen Handelskriegs dürften mehr ausländische Direktinvestitionen nach Vietnam fließen, die vor allem auf die Herstellung von Mobiltelefonen, Elektronik und anderen High-Tech-Produkten ausgerichtet seien. Die FondsExpertin betont: Vietnam exportiere derzeit lediglich High-Tech-Produkte im Wert von acht Milliarden US-Dollar pro Jahr in die USA gegenüber 250 Milliarden US-Dollar bei China. Diese enorme Lücke mache Vina Capital zuversichtlich, dass es genügend Spielraum für Wachstum gebe.

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