Gerd Bennewirtz: Ist die Börsenkorrektur nicht längst überfällig

Über neun Jahre ist sie nun alt, die Börsenhausse an den wichtigsten globalen Aktienmärkten, die DAX, Dow Jones und S&P 500 auf immer neue Höchststände getrieben hat. Von kleineren Kursrücksetzern einmal abgesehen, hat sich der Aufwärtstrend trotz hoher Bewertungsniveaus immer weiter fortgesetzt. Ist es deshalb nicht längst Zeit für eine größere Korrektur? Peter Oppenheimer, Chefstratege von Goldman Sachs, erwartet für das neue Jahr eigentlich keinen Börsencrash. In einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS) gibt der Marktexperte jedoch zu, dass ihm das aktuelle Börsenszenario allmählich unheimlich wird: „Wir erleben gerade einen der längsten Zeiträume seit den 1930er Jahren ohne eine Korrektur, die Kurse haben selten so wenig geschwankt“, führt Oppenheimer aus.

Ein starker Rückgang der Kurse sei eigentlich längst überfällig, wobei ein möglicher Auslöser auf der Zinsseite gesehen wird: „Die meisten Investoren rechnen damit, dass US-Notenbank Fed den Leitzins in diesem Jahr nur zwei Mal erhöhen wird. Die Goldman Sachs Ökonomen gehen dagegen von vier Erhöhungen in diesem Jahr und vier Erhöhungen im nächsten Jahr aus“, erklärt er. Setze sich die Erwartung deutlich stärker anziehender Zinsen durch, könne dies einen kräftigen Kursrücksetzer am Aktienmarkt auslösen, betont Oppenheimer.

Einen zweiten möglichen Crashgrund sieht der Marktstratege in protektionistischer politischer Rhetorik. Damit meine er gar nicht einmal speziell den US-Präsidenten Donald Trump, so Oppenheimer, die Gefahr könne von überall ausgehen. Günstige Titel seien derzeit an den Aktienmärkten kaum noch zu finden, resümiert der Goldman Sachs-Experte. Vergleichsweise niedrige Bewertungen sieht er am ehesten noch bei Bankaktien und Titeln von Energieversorgern.

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