Gerd Bennewirtz: War der Rücktritt von Lucien Favre die richtige Entscheidung?

Damit hatte ich nicht gerechnet: Nach fünf Bundesliga-Pleiten in Folge und dem Absturz der Mönchengladbacher Borussia ans Tabellenende hat Trainer Lucien Favre aufgegeben und seinen Rücktritt eingereicht. War diese Entscheidung wirklich nötig? Ich glaube nicht. Denn selbst wenn man den grottenschlechten Saisonstart der Fohlen mit null Punkten in Rechnung stellt, so hatte ich immer noch den Eindruck, die Borussia könnte mit dem akribisch arbeitenden Schweizer wieder auf den Erfolgspfad zurückfinden. Favre hätte ich zugetraut, auf der anderen Seite aber auch von ihm erwartet, dass er diese „Durststrecke“ gemeinsam mit der Mannschaft meistert und die erste größere Krise seiner Amtszeit erfolgreich bewältigt.

Noch vor wenigen Tagen ließ er verlauten, die aktuelle Situation der Borussia sei „eine besondere Herausforderung“ für ihn – und jetzt das! Der Druck aus dem Mönchengladbacher Umfeld war keinesfalls schon so groß geworden, dass Favre unbedingt den Hut nehmen musste. Im Gegenteil: Lucien Favre, dem ich für seine viereinhalbjährige sehr erfolgreiche Tätigkeit bei unseren Borussen überaus dankbar bin, hat sich aus der Verantwortung verabschiedet, bevor überhaupt eine Trainerdiskussion entstanden ist. Damit hat er dem Druck von außen nachgegeben, bevor dieser ein nennenswertes Ausmaß erreicht hat.

Etwas mehr Kampfgeist und Hartnäckigkeit hätte ich mir von Favre schon gewünscht, der sich nun nach nur einem Champions-League-Spiel der Borussia um den Lohn seiner Arbeit von mehreren Jahren bringt. Sicher sind bei der Zusammenstellung des Mönchengladbacher Kaders Fehler gemacht worden, wo insbesondere die Abgänge der beiden Schlüsselspieler Kramer und Kruse nicht annähernd kompensiert wurden. Doch dafür ist die sportliche Führung um Max Eberl mindestens so sehr verantwortlich wie der Trainer. Auch deshalb bleibt bei mir angesichts des unvermittelten Rücktritts von Lucien Favre eine Mischung aus Unverständnis und Bestürzung. Einen solchen Abgang hatte der Schweizer nicht verdient – er hat ihn sich jedoch selbst eingebrockt!

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Ihren Besuch stimmen Sie dem zu.