Gerd Bennewirtz: Ist die Wahrscheinlichkeit eines Zerfalls der EU zuletzt gestiegen?

Es ist nicht nur das italienische Referendum am 4. Dezember, das den Investoren in der Eurozone Kopfzerbrechen bereitet und neue Ängste über einen Zerfall der europäischen Währungsunion befeuert. Auch die Austrittswahrscheinlichkeit anderer EU-Länder ist jüngst rapide angestiegen, wie eine Investoren-Umfrage des Researchhauses Sentix belegt. Am höchsten veranschlagt wird auf Basis des „Sentix Euro Break-up Index“ weiter die Austrittswahrscheinlichkeit Italiens aus der EU, die aktuell auf 19,3 Prozent angestiegen ist und damit den höchsten jemals in der Sentix-Umfrage gemessenen Wert für das Land erreicht hat.

Nicht nur das anstehende Verfassungsreferendum mit einem wahrscheinlichen Verlierer Matteo Renzi lässt die Sentix-Analysten neue Rekordwerte für Italien verzeichnen; auch die auffällige Kursschwäche der italienischen Finanzwerte wird als bedrohliches Signal für die Stabilität der Eurozone gewertet. Sentix-Geschäftsführer Manfred Hübner verweist zudem auf eine sich im Mittelmeerraum vollziehende Kapitalflucht im Vorfeld des 4. Dezember, die sich im massiven Anstieg der negativen Target-Salden bemerkbar mache.Als weiteres Sorgenkind neben Italien sieht Sentix Frankreich, das genau wie viele andere Euro-Staaten einen kräftigen Anstieg der Euro-Austrittswahrscheinlichkeit zu verzeichnen hat. Mit derzeit 4,75 Prozent befindet sich der französische Indexwert genau wie bei Italien auf einem Allzeit-Hoch. Auch in den Niederlanden ist die von Sentix gemessene Euro-Austrittswahrscheinlichkeit auf mehr als 3,4 Prozent angestiegen.

Der Sentix Euro Break-up Index ist damit in seiner Gesamtheit auf 24,1 Prozent geklettert und verzeichnet gegen Ende des Jahres 2016 eine bemerkenswerte Anti-Euro-Dynamik. Der aktuelle Wert des Index bedeutet, dass fast jeder vierte der befragten Investoren mit dem Weggang mindestens eines Landes aus der Eurozone innerhalb der nächsten zwölf Monate rechnet. Den vorläufigen Höchststand hatte der Sentix Euro Break-up Index mit 73 Prozent im Juli 2012 erreicht, als sich die Griechenland-Krise auf ihrem Höhepunkt befand. Doch auch der aktuelle Wert zeigt ein bedenklich großes Ansteckungsrisiko für Euro-Austrittspläne, die nicht nur in Frankreich und Italien an Momentum gewonnen haben. Die Wahrscheinlichkeit eines Zerfalls der EU-Währungsunion ist definitiv gestiegen.

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